Ein wesentliches Ziel der Hindu Dharma-Religion besteht darin, in der menschlichen Seele Frieden und Ruhe sowie im materiellen Leben Harmonie zu erreichen. Durch die praktische Ausübung
des Glaubens versuchen die Balinesen, ein spirituelles Gleichgewicht zwischen tattwa (Philosophie), susila (Verhaltensweise und Moral) und upacara (Rituale) zu realisieren. Das Tattwa
besteht aus fünf Prinzipien panca crada: 1. Brahman, dem Glauben an den Einen Allmächtigen Gott; 2. Atman, Glaube an die Seele und den Geist; 3. Samsara, Glaube an die Reinkarnation; 4.
Karma, Glaube an das Gesetz wechselseitiger Taten (der Mensch wird nach der Bilanz seiner guten und schlechten Taten beurteilt und erfährt ein entsprechendes Schicksal bei seiner
Wiedergeburt); 5. Moksha, Glaube an die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Das susila-Prinzip legt den Schwerpunkt auf drei Zielsetzungen: reine Gedanken zu haben, ehrlich zu
sprechen und gute Taten zu begehen. Praktisch zusammengefaßt werden diese Ziele in der Formel »tat-twan-asi«: »Du bist wie ich bin« — mit anderen Worten: »Behandle andere Menschen
so, wie du selbst behandelt werden möchtest«. Die upacara (gesprochen Upatschara) unterscheidet fünf heilige Opferntuale: Dewa Yadna für die Götter und vergöttlichten Ahnen; Rsi Yadna für
die Brahmanen-Priester, besonders bei der Weihung; Pitra Yadna für die Toten; Butha Yadna zur Neutralisierung unheilstiftender Geister und Dämonen; Manusia Yadna für die Menschen, z.B.
bei Schwangerschaft, Geburt, Namensgebung, erster Menstruation, Zahnfeilung, Heirat usw. All diese Prinzipien, die speziell von den Priestern umgesetzt und vorgelebt werden, dienen dazu,
die kosmische Ordnung im Gleichgewicht zu halten, denn kosmische Störung führt Krankheiten, Tod und anderes Unglück herbei.