In früheren Zeiten waren es balinesische Fürstenhöfe, die künstlerische Werke wie Malereien, Skulpturen, Dekorationen usw. in Auftrag gaben. Im 19. und 20. Jh. kamen die Holländer als neue
Herren, die Macht der Fürsten schwand, und das blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Kunst. Impulsgeber für eine Wiederbelebung der ba- linesischen Kunst waren insbesondere westliche
Maler, ihnen voran Walter Spies, Rudolf Bonnet und später Arie Smit. Zusammen mit balinesischen Malern gründeten Spies und Bonnet 1936 die Vereinigung der Maler »Pita Maha«.
Inländischen Kunstausstellungen folgten bald internationale in Holland, Frankreich, England und Amerika. Vier Arten balinesischer Malerei sind besonders bemerkenswert. Die klassische Malerei
von Kamasan, deren sogenannter wayang-Stil bereits im 11. Jh. nachzuweisen ist und der im 17. Jh. in Kamasan seine Blütezeit erfuhr, basiert auf wayang-Geschichten aus den hinduistischen
Epen Mahabarata und Ramayana, die mit einfachen Eisenwerkzeugen in Lontar-Palmenblätter eingeritzt und später mit schwarzer Farbe nachgezogen werden. Bei der in Ubud entwickelten
Malerei dominiert der Einfluß westlicher Maler. Vordergründiger Ausdruck sind harmonische Proportionen, Anatomien, Perspektiven, Schattierungen usw. Den Stil der jungen Maler beeinflußte
insbesondere der Holländer Arie Smit, der sich zu Beginn der sechziger Jahre in der Nähe Ubuds niederließ und dort junge Leute in der Malkunst unterrichtete. Die Motive entstammen der
dörflichen Umgebung; es dominieren helle und frische Farben, der Stil ist naiv. Der Batuan-Stil zeigt am wenigsten westlichen Ein luß und orientiert sich eher am klassischen Stil balinesischer
Malerei. Die »akademische Malerei« schließlich wird repräsentiert von balinesischen und nichtbalinesischen Malern mit formeller Kunstausbildung. Diese Art der Malerei weist eine Bandbreite
von konservativen und progressiven Stilen auf, deren kleinster Nenner ein universales Konzept mit balinesischen Motiven ist.